#92 Die Fotografen und das liebe Geld

Hallo ihr Lieben,

heute geht es, wie ihr sicherlich erahnen könnt, um Preise und Geld. Ein etwas leidiges, aber sehr wichtiges Thema bei dem die Meinungen bzw. Erwartungen oft weit auseinander gehen. Der Kunde will meist am liebsten nichts zahlen, der Fotograf möchte aber sehr wohl seine Arbeit entlohnt bekommen! Doch auf welchen Tatsachen gründet dieser Anspruch? In diesem Artikel möchte ich euch das etwas näher bringen. Wichtig ist mir dabei vor allem, dass ich euch hier nur aus MEINER Perspektive heraus berichten kann und keine universal gültige Weisheit verkünde!

Nun zunächst einmal wendet der Fotograf schon allein für das Shooting Zeit auf, um euch glücklich zu machen. Damit er euch von seinem Werk begeistern kann, gibt es aber auch einen oft gar nicht mal so kleinen Vorlauf! Allein durch die Vorbereitung des Equipments (Akku laden, Karten leeren, Säuberung der Requisiten, …) und die Sammlung von Ideen geht schnell mal eine halbe Stunde bis Stunde ins Land. Wenn es sich um aufwändigere, inszenierte Projekte handelt kommt dazu noch ein unbestimmter Zeitaufwand an Kostümerstellung und ähnlichem hinzu. Jetzt könnte man sagen: Nun, niemand zwingt dich, dir vorher eine halbe Stunde Moods rauszusuchen und dir ein Ideenboard zu schreiben. Natürlich, aber wer will schon einen planlosen uninspirierten Knipser, der dann unter Umständen sogar das gleiche Honorar verlangt? Ich denke eher wenige und für mich ist das fester Bestandteil meiner Rolle als eure Dienstleisterin.
Und mal ganz ehrlich: Willst du für einen Fremden einfach so umsonst dauerhaft arbeiten? Wohl eher nicht.

Streng genommen geht die Vorbereitung sogar noch viel weiter. Ich habe mich ausbilden lassen und Wissen angereichert, welches euch zu Gute kommt. Ob dies nun durch eine tatsächliche Ausbildung in einem Betrieb über die HWK erfolgt oder in vielen, vielen Workshops und noch viel mehr Übung ist dabei in meinen Augen irrelevant, denn Fakt ist: Es kostet Zeit und Geld. Wer jetzt sagt, aber als Azubi verdienst du doch etwas, der irrt! Denn ja man verdient sein Ausbildungsgehalt, doch als volljährige Auszubildende, die Vollzeit im Betrieb arbeitet bekommt man in der Regel 310€ im Monat. So und jetzt erklärt mir bitte, wie ich davon nicht nur überleben soll, sondern leben – und auch ersteres ist oft schwer. Sich da noch etwas auf die Seite zu legen, um sich eine gute Kamera oder ähnliches Equipment zulegen zu können ist direkt utopisch.
Damit wären wir auch schon bei dem nächsten Punkt. Ihr wollt ja wenn ihr zum Fotografen geht eine gewisse Bildqualität, abgesehen von der Inszenierung, dem kreativ-künstlerischen Wert. Um dies bieten zu können benötigt es entsprechende Ausrüstung und diese ist, ich denke bekanntermaßen, nicht gerade preiswert. Jeder Auftrag erfordert unter Umständen anderes Equipment, bis ihr dann eine solide Aufstellung mit Kamera, Objektiven und ein paar technischen Gadgets in der Bude stehen habt, ist schnell mal der Wert eines Kleinwagens weg. Und ich spreche hier nur von den durchschnittlichen Nikon-/Canon-/Sony-/…-Fotografen, wer beispielsweise eine Hasselblad oder eine PhaseOne sein Eigen nennen darf, der hat bereits hier mehrere zehntausend (!) Euro ausgegeben. Ihr seht also, dass bereits eine recht hohe Investition vorausgeht, bis man sich überhaupt zurecht Fotograf nennen darf ohne damit jemanden über den Tisch zu ziehen.
Für mich ist auch Fortbildung, um euch immer wieder neues bieten zu können, ein sehr wichtiger Punkt. Ich denke, man hat nie ausgelernt. Das Geld, welches ich für meine Arbeit verlange wird so zu einem gewissen Teil direkt wieder in meine Kunden reinvestiert. Und das ist DEIN Vorteil, wenn du einen professionellen Fotografen buchst, der Wert auf Bildung legt!

Jetzt haben wir zumindest schonmal den Teil erörtert, der vor dem Shooting steht. Ein Bild wie es an den Kunden über den Tisch geht, wird bei einem anständigen Fotografen (also nicht Profi-Knipser720 aus der MK) noch hochwertig bearbeitet. Dazu braucht es – abgesehen vom fachlichen KnowHow – noch etwas mehr Technik. Auf jeden Fall benötige ich zur Bearbeitung einen anständigen Rechner und Bildschirm und eine entsprechende Software. Auch hier gehen in der Anschaffung für den PC, ob mit angebissenem Apfel oder ohne, ein paar Tausend ins Land. Die meistgenutzte Bearbeitungssoftware ist Photoshop, die gibt es inzwischen nur noch als Abo. Das frisst im Jahr auch nochmal ein paar Hundert.
Last but not least stecke ich auch einiges an Zeit in die Perfektionierung eures Fotoerlebnisses, im Schnitt sitze ich eine halbe Stunde an jedem Bild bis es mir so gut gefällt, dass ich guten Gewissens meinen Namen darunter setzen kann. Jeder wird wenn er ehrlich ist, auch seine Überstunden bezahlt haben, die planmäßige Arbeitszeit ja sowieso. Und jetzt verratet mir: Wieso sollte es bei einem selbstständig Tätigen anders sein?

Da fällt mir noch ein weiterer kleiner aber nicht unwichtiger Punkt ein: Mein Gehalt bleibt mir leider nur zu einem Bruchteil übrig. Ihr kennt das wahrscheinlich von eurer Lohnabrechnung. Dieser fiese Unterschied zwischen Brutto und Netto. Nur dass ich den Abzug schon vorher einkalkulieren muss, weil bei mir keine Sozialversicherung schon direkt abgezogen wird sondern ich Krankenkasse etc. jeden Monat bzw. am Ende vom Jahr abdrücken muss.

Bitte versteht mich hier nicht falsch, ich will keinesfalls jammern! Ich liebe, was ich tue – aufrichtig und mit ganzem Herzen! Ich will euch lediglich die Aspekte zeigen, die viele oft vergessen, wenn sie sich über die „hohen Preise“ beschweren. Das nicht unbedingt direkt bei mir, sondern in Foren etc.
Für mich gibt es diesbezüglich nur ein wesentliches Detail, welches stimmen muss: Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung! Und Qualität kostet in den allermeisten Fällen halt etwas mehr. Das ist gut so und ich habe ehrlich gesagt überhaupt kein Verständnis für diese „Geiz ist geil!“-Haltung – und das sage ich als halbe Schwäbin (Spaß muss auch bei solchen Themen sein!) ;)

Und wer nach all diesen Aspekten noch sagt „Und das interessiert mich jetzt weil? Mein Onkel hat auch ne Kamera und macht das für Umme, mein Handy kann sowieso Selfies!“, der ist herzlich eingeladen, nie mein Kunde zu werden bis er seine Meinung ändert!
Ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen einen Anstoß geben, um zukünftig anders über Preise für angebotene Leistungen zu denken. Damit meine ich übrigens nicht nur Fotografen.

Habt es schön! ❤️

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